Nichts gibt mir im Alltag in der Stadt so viele Euphorieschübe wie der Tanz der Tauben, wenn sie von etwas aufgeschreckt werden. Oft ist es nur eine kleine Schlaufe in der Luft, die sie gemeinsam fliegen, aber es sieht fast so aus, als würde sich eine schattenartige Kreatur erheben und uns einen Tanz zeigen wollen, den sie schon lange vorbereitet hat. Und mit jedem Aufschrecken verändert sich dieser Tanz ein klein wenig – mal wird er kürzer, mal länger.
Gerade konnte ich wieder eine dieser Vorführungen beobachten und habe ein bisschen genauer hingesehen als sonst. So konnte ich erkennen, wie sich zwei Tauben innerhalb der Gruppe wie in einem Paartanz umeinander drehten – immer wieder, als wären die anderen Tauben gar nicht da. Auch war da eine Taube, die immer wieder anfing, in der Luft zu gleiten und dabei oft ein wenig aus der Gruppe geriet. Es sah aus, als hätte sie Spaß daran. Einmal hatte ich im richtigen Moment genau die Taube im Visier, die einen Richtungswechsel des großen Taubentanzes eingeleitet hat.
So stand ich nun am Bahnsteig und sah zu, wie sich dieser Tanz drei-, viermal wiederholte, bevor ich letztendlich in meine Bahn einstieg und mit dem Gedanken davonfuhr, wie schön das Leben in all seinen Formen eigentlich ist.
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