Vom Leben in der Stadt und dem Funken

Das Leben in der Stadt ist einsam. 

Viel einsamer zumindest, als das Leben in der Umgebung, in der ich aufgewachsen bin: ein kleines Dorf in den Bergen. Du wächst gemeinsam mit den Kindern der Schulfreunde deiner Eltern auf, mit denen du später auf die weiterführende Schule gehst und später werden deine Kinder mit den Kindern deiner Schulfreunde wieder in eine Klasse gehen. Es ist ein ewiger Kreis des einheitlichen Zusammenlebens und du kannst ihm nur entfliehen, wenn du den Ort verlässt.

 

Es ist nicht unbedingt schlecht, so aufzuwachsen. Ich war immer umgeben von Sicherheit und dem Wissen, dass ich beschützt bin nicht nur von meiner Familie und meinen Freunden, sondern auch der Gemeinschaft des Dorfes und mir teilweise Fremden, die allerdings mit Freunden meiner Familie befreundet sind. Es ist eine zusammenhaltende Einheit.  𐀪𐀪

Hier in dieser großen Stadt ist es das Gegenteil. Du bist umgeben von Massen an Menschen. Menschen, die total verschieden sind zu dir, aber auch Menschen, die dir sehr ähneln. Manchmal sieht man Menschen in der Öffentlichkeit und weiß einfach, dass man miteinander befreundet sein würde, wenn man sich nur gegenseitig anspricht. Aber in der Gesellschaft, in der wir leben, ist es nicht mehr so leicht, einfach nur aus dem heiteren Nichts eine Unterhaltung aufzubauen. Klar, wenn der erste Schritt erst einmal gemacht ist, ist es gar nicht mehr so einschüchternd, wie es anfangs zu sein scheint. Aber dieser große und wichtige Schritt ist der Grund, wieso das Leben in einer Stadt so viel einsamer macht, als das auf dem Land - obwohl man doch eigentlich von so viel mehr Personen umgeben ist. Es herrscht eine große Anonymität, die dir zwar den sicheren Raum gibt zu tun, was immer du willst, weil es sowieso niemanden interessiert, aber die dir auch gleichzeitig das Gefühl, Teil einer Einheit zu sein, nimmt. 

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Ich habe das Glück, einen Kreis an Menschen um mich zu haben, die mir trotz dieses großen Fremden das Gefühl geben, angekommen und sicher zu sein. Sie helfen mir, wenn ich mich alleine fühle, heitern mich auf und bringen mich zum Lachen, wenn es mir nicht besonders gut geht, und bringen mich dazu, ein besserer Mensch werden zu wollen. 

Ich hatte noch nie einen besonderen Traum oder eine besondere Vorstellung davon, wie mein Leben verlaufen soll oder was ich gerne einmal tun würde. Ich hab damit an sich kein Problem - ich weiß nicht, ob ich einfach nur von dem Glück umgeben bin, dass mir alles, so wie es kommen soll, in den Schoß fällt, aber ich bin mit meinem Weg bisher zufrieden. Allerdings fehlt mir oft ein gewisser Funken. Ich habe viele Hobbies und Sachen, die mich glücklich machen. Aber ich habe nicht diesen Funken von Leidenschaft, von dem manche der Menschen, die mir nahe stehen, angetrieben werden. 

Ein Funken, der sie intensiv das machen lässt, was ihnen Spaß macht, damit sie irgendwann von diesem Funken leben können. Ein Funken, der sie einfach nur Wissen ansammeln lässt, der ihr Interesse stillt und gleichzeitig wachsen lässt. Ein Funken, der einfach nur Freude ausbrechen lässt, wenn sie das machen können, was ihnen Spaß macht. Wenn ich so darüber nachdenke, ist das Einzige, das für mich diesen Funken darstellen könnte, das Vertrauen darin, dass Alles kommt, wie's kommen soll... Aber angetrieben werde ich dadurch nicht. 


Im Austausch mit meinen Freunden und auch einfach im Laufe der Zeit habe ich bemerkt, dass es nicht lebensnotwendig ist, einen solchen Funken zu spüren. Denn ich bin glücklich mit dem, was ich tue und selbst wenn du diesen Funken verspürst kann er drohen, zu schwinden oder die Hoffnung zu nehmen. 

Als mir eine Freundin neulich erzählt hat, dass sie nicht weiß, ob der Weg, den sie sich wünscht, so funktionieren kann, wie sie es sich erhofft und, dass sie dadurch ermutigt wird, ihrem Traum überhaupt weiterhin zu folgen, war ich ehrlich geschockt. Für mich hat es einfach Sinn ergeben, dass ihr Traum in Erfüllung gehen wird, unter anderem deswegen, weil ich diesen Funken genau bei ihr so deutlich sehen kann. Jedes Mal, wenn sie über ihre Leidenschaft spricht, ist es, als würden ihre Augen strahlen und auch wenn ich nichts davon verstehe, wovon sie mir erzählt, will ich es verstehen, einfach weil sie es beschreibt, als wäre es das Wichtigste und Schönste, das diese Welt zu bieten hat. 

Natürlich hatte sie gut nachvollziehbare Gründe, wieso sie sich entmutigen lassen hat, deshalb habe ich einfach mein Bestes gegeben, ihr deutlich zu machen, dass ihr Traum, ihre Ideen und ihre Talente immer bei ihr sein werden. Manchmal dauert der Weg zum Ziel länger, als anfangs erwartet und manchmal muss man sich auch auf ein paar Umwege begeben, bevor man ihm überhaupt nahe kommt. Aber dein Traum wird dich nie verlassen. 



Nachdem ich ihr das gesagt hab, hat es mich selbst viel zum Nachdenken gebracht. Wenn ihr Funken sie nicht verlassen kann, auch wenn er manchmal zu schwinden scheint, kann es genau so gut sein, dass mein Funken in mir drin ist und ich ihn einfach noch nicht für mich entdeckt habe! Vielleicht hatte ich auch deshalb diesen starken Drang, endlich diesen Blog zu beginnen. Wenn ich immer auf der selben Stelle tanz und mir nicht einmal die Mühe gebe, nach ihm zu suchen, kann es gut sein, dass er weiterhin versteckt bleibt. Und das würde bedeuten, dass ich hiermit einen Schritt in die richtige Richtung gehe. 

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Eine Sache, die ich dem Leben in der Stadt zu verdanken habe, ist, dass ich durch den ständigen Austausch mit Menschen, die bisher ein ganz anderes Leben gelebt haben als ich, super viel hinterfrage und neue Einsichten bekomme, die meine Ansichten und Einstellungen erweitern. Das Leben ist für mich interessanter geworden - klar, es ist bei Weitem nicht mehr so einfach, wie es hätte sein können, hätte ich damals nicht beschlossen, meine Heimat zu verlassen. Aber es fühlt sich erfrischend an. Als wäre mein Leben ein Überraschungspacket und ich weiß nie so ganz, was als nächstes passieren wird. 


Für mich war es der Schritt in die richtige Richtung. 


Mal sehen, wohin's für mich damit geht!

༝༚༝༚, Kat

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