Vom neu Anfangen

 Immer wieder neu anfangen.. 

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..kann wirklich unfassbar anstrengend sein, vor allem, wenn man einfach nur fertig sein will, mit dem, was man tut. So ging's mir lange: Wenn ich ein neues Lied auf der Gitarre gelernt habe, habe ich es so schnell wie möglich getan, damit ich mich danach wieder auf das Spielen der ganzen Lieder fokussieren konnte. Hab ich es eine Zeit lang nicht gespielt und fast wieder vergessen, dann wars halt so. 

Ich wollte nicht noch einmal neu anfangen, das Lied zu lernen. 


Als ich dann angefangen habe zu häkeln und jetzt auch zu stricken, musste ich es mir allerdings umgewöhnen. Viele meiner Projekte haben beim ersten Mal einfach nicht geklappt. Mal war es zu wenig Wolle, mal war es zu groß, ein andermal war es einfach zu locker gehäkelt, sodass der Plüschhase fast doppelt so groß war, wie er eigentlich hätte sein sollen. Diese Hobbies wären vor ein paar Jahren mein größter Albtraum gewesen. Du fängst tausend mal wieder von vorne an, nur um dann ein Gegenstand/Kleidungsstück vor dir zu haben, dass du in deutlich besserer Qualität wo anders hättest besorgen können. 

Nachdem ich eines Abends nach stundenlanger Arbeit festgestellt habe, dass der Schal (der davor ein Shirt gewesen war), eigentlich überhaupt nicht das ist, was ich haben wollte, hab ich für fast acht Monate aufgehört zu häkeln. Ich hatte einfach keine Lust mehr!


In diesen acht Monaten hatte ich wenig Zeit für meine handwerklichen Hobbies. Das einzige, das sich durchgezogen hatte, waren meine Videospiele, aber von denen hatte ich teilweise mehr Stress als Erfolgsgefühle. Ich habe mich viel mit meinen Freunden darüber unterhalten, denn ich wollte ja wieder mehr Kreatives machen! Aber ich hatte eine Blockade und konnte einfach nicht die Motivation aufraffen, ein neues Projekt zu starten. Deshalb beschloss ich, wieder mehr zu lesen - und auf einmal wurde mir bewusst, dass ich eigentlich den Prozess inzwischen deutlich mehr mag, als das eigentliche Projekt! Ich fand das Lesen an sich viel besser, als die Geschichte am Ende des Buches zu kennen - das Lesen war eben auch der Teil, der Spaß gemacht hat! Und wie mit einem klick wurde mir klar, dass sich meine Einstellung zu Hobbies trotz Blockade schon verändert hat!

Ich habe wieder angefangen zu häkeln und habe mir sogar selbst das Stricken beigebracht! Zweites hat sich wieder einmal als deutlich frustrierender dargestellt, als ich dachte, aber der Unterschied zu vor einem Jahr ist, dass es mich nicht mehr stört. Ich mag die Bewegung des Strickens, das Klappern der Nadeln und die Möglichkeit, jederzeit an meinem Projekt weiterzuarbeiten. ˚ ༘ ೀ⋆。˚


Diese Blockade war auch der Grund, warum ich in den letzten drei Jahren so gut wie kein bisschen Gitarre gespielt habe. Wie schon gesagt, habe ich ein Lied vergessen, dann wars auch so. Aber aktuell bin ich dabei, Stück für Stück vergessene Lieder neu zu lernen. 

Nachdem ich an Weihnachten zu Hause war, hat mir meine Schulfreundin einen Link geschickt zu einem Lied, von dem ich noch vor ein paar Jahren total besessen war, und gefragt, ob ich denn dieses Lied noch spielen kann! Sie kannte es, weil ich es ihr hunderte Male vorgespielt habe, als wäre ich eine Kasette und das war mein einziges Lied darauf. Und dann war es auf einmal weg und ich habe es total vergessen! Als ich wieder zurück in Berlin war, saß ich mich eines Abends an den Tisch und hab es mir so oft angehört, bis ich es letztendlich wieder spielen konnte. 

Das Gefühl der Ruhe und Freude, das ich an diesem Abend gespürt habe, werde ich nicht so schnell vergessen. Denn nur weil etwas gerade nicht greifbar ist, heißt es nicht, dass es weg ist und das war so lange meine größte Angst. Ich wollte zwar nichts wiederholt neu lernen, aber noch schlimmer war es, wenn ich etwas komplett vergesse. ˙ᵕ˙


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Aus diesen Erkenntnissen nehme ich drei Dinge mit:


  1. Ich muss aufhören, mir selbst so viel Druck zu machen, wenn etwas nicht perfekt wird, oder ich etwas vergesse. So funktioniert das Leben einfach!

  2. Es ist keine Schande, wieder neu anzufangen. 

  3. Genieße den Prozess, mehr als das Endprodukt. Wenn du das Endprodukt erst einmal hast, hast du es für immer. Aber der Prozess ist irgendwann vorbei.


Im Endeffekt lässt sich das alles von Hobbies auch auf das Leben übertragen. Von Geburt bis zum Ende deines Lebens ist alles ein Prozess, es wird nie einen Tag geben, der genau ist wie der Tag davor. Ich muss mich auf die kleinen Momente fokussieren, die den Tag so einzigartig machen, wie er ist, auch wenn sie mal nicht so großartig sind, wie ich sie gerne hätte. 

Und wenn etwas irgendwann nicht mehr passt, dann such ich mir etwas Neues und fang einfach nochmal von vorne an. ✎ᝰ.ᐟ⋆⑅˚₊


So einfach ist das.


༝༚༝༚, Kat



PS: Das Lied, von dem ich gesprochen habe, heißt Höhenflug von Willy Astor. Hört gerne rein, ist super beruhigend!𝄞⨾𓍢ִ໋


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